Ein kleine weiße Daunenfeder, wahrscheinlich hatte sie sich im Laufe des Abends vom Brautkleid gelöst, wurde hochgewirbelt, tänzelte für einen kurzen Moment unbeschwert durch die Luft, ehe sie schließlich im Sog des Menschenmeeres ertrank. Der Mann schreckte auf. Anscheinend hatte er kurz vor sich hin geträumt, doch nun hatte ihn die Vernunft wieder ergriffen.

...weiterlesen "»Prolog« von Luis Henckell-Rosas"

Jetzt schläfst du mit ihr. Jetzt in diesem Moment fasst du sie am Handgelenk. Draußen peitscht der Regen in Intervallen von Elektrizität. Lärm. Das Donnern vermischt sich mit eurem Stöhnen, mit ihrem hitzigen Atem, der in Wellen aus ihren Lippen strömt, die Brise vom Vortag. Jetzt streckst du deine begierigen Finger aus, streichst über ihre Schultern, ihren Nacken, fährst durch ihre Haare, die sich auf dem Laken fächerartig ausbreiten. Mit einem Fuß kickst du die Decken weg, solange du es noch kannst und ihr bleibt im bloßen Hautgeflecht, das wärmt und bald wird es kalt.

...weiterlesen "»Jetzt schläfst du« von Liv Andersson"

Nate!
Diese blauen Augen hätte ich in Jahren noch wiedererkannt.  Der Club war riesig und er stand nur etwa zwei Meter von mir entfernt, vorgelehnt an der Bar, lachend und vor sich ein Glas Bier stehend.  Er sah einfach wie immer perfekt aus!
Mein Herz schlug doppelt so schnell, als ich ihn sah und doch hatte ich das Gefühl, als würden sich Krallen in meine Eingeweide fahren. Was macht er hier? Meine Hand zitterte ein wenig, als ich wieder nach meinem Glas griff und einen großen Schluck trank.  Wieso war er bloß hier?

...weiterlesen "»Love complicated« von Catharina Wrage"

Von Menschen.
Von Makeln.
Von Monstern.
Denn schließlich ist es ein Lauf.
Ein Wettkampf gegen die Zeit, die es braucht, bis die Stille meinen Körper verschluckt und mein Gehirn vergisst zu atmen.
Es führt zu einem Krieg.

...weiterlesen "»Kopfkriege« von Anna Bolln"

»Guckt auch bei den anderen vorbei«, beendete er eine neue Aufnahme und loggte sich danach auch aus dem Teamspeak aus. Grinsend lehnte er sich zurück. Seine Identität zu verheimlichen war eine gute Idee gewesen. So konnte keiner etwas ahnen, während sein Plan im Hintergrund immer weiter voranschritt. Nicht mehr lange… Nein, er würde sein Gesicht nie zeigen. Viel zu groß war die Wahrscheinlichkeit, dass es ihn verriet. Viel zu groß die Wahrscheinlichkeit, dass er in einer seiner aggressiven Phasen war, wenn ihn jemand auf der Straße erkannte. Sein Gesicht würde weiterhin ein Geheimnis sein.

...weiterlesen "»Maske« von Emma Hertzog"